Halalas

2 03 2011

Nein, das ist kein kryptischer Tippfehler im Titel, sondern die Kleineinheit der Saudi-Arabischen Währund, dem Rial. Wie bei uns ein Euro aus 100 Cent besteht, so sind es hier auf einen Rial 100 Halalas. Scheine gibt es ab einem Rial und Halalas nur als Münzen. Obwohl ich bald 4 Wochen hier bin hab ich noch nie eine dieser Münzen zu Gesicht bekommen.

In Restaurants gibt es nur glatte Preise, im Taxi wird eh immer auf volle 5  Rial aufgerundet (was etwa einem Euro entspricht) und im Supermarkt, wo es krumme Preise gibt….auch da keine Halalas. Es scheint, dass diese Einheit nur auf dem Papier existiert. Wenn man im Supermarkt einen krummen Endbetrag hat, wird entweder zugunsten des Kunden abgerundet, oder aufgerundet und der Kassierer schmeißt einem noch ein Päckchen Kagummi oder einen Schokoriegel in die Tüte. Alles extrem Stressfrei und unkompliziert. Der größte Vorteil dieses quasi Münzlosen Bezahlsystems…das Portmonai bleibt schön leicht und flach.

Mir gefällts und ich hätte kein Problem damit, das auch bei uns so zu machen. Einfach noch nen 1€ Schein ausgeben und die Münzen verbannen.





Krawallwütige Nachbarn II

20 02 2011

Nicht nur die Nachbarn in Bahrain sind im Moment auf Krawall aus, auch meine Nachbarn im Hotel machen mir das Leben, bzw. eher das Schlafen schwer.

Vor einigen Tage zog bei mir im Hotel eine junge Fußballmanschaft ein. Ihre Lieblingsbeschäftigung scheint es zu sein zwischen 11 und 2 Uhr Nachts gröhlend, schreiend und Türen knallend durch das ganze Hotel zu ziehen. In den letzten Nächten lag deshalb mein Schlafpensum extrem unter meinem normalen, weshalb ich hier wie ein halbtoter Zombie mit Augenringen bis zum Kinn durch die Firma wanke und versuche mich noch irgendwie zu konzentrieren. Laut dem Rezeptionisten soll die Truppe angeblich heute abreisen. Ich hoffe das Beste!





Erstkontakt unter erschwerten Bedingungen – Teil 4 – Schön ist anders

11 03 2010

Ich gebe zu, ich bin mit Vorurteilen bepackt und nicht grade voller Vorfreude nach China gereist. Das Essen ist schlecht (zumindest für fleischliebende Europäer), die Luft ist schlecht, das Land dreckig, überall Prostitution und alles wird kopiert.

Was soll ich sagen? Zumindest Nantong hat sich keine Mühe gegeben diese Vorurteile auszuräumen.

Essen – Das Hotel war groß und besaß zwei Restaurants. Eins mit chinesischer/japanischer Küche und eines welches „Western-Küche“ anbietet. Im Klartext heißt das, chinesische Köche versuchen sich an europäischen oder amerikanischen Spezialitäten. So reichte die Karte von ein paar Pilzsuppen, zu Kartoffelpuffern, ein paar „Steaks“, verschiedenen Gerichten mit Huhn und Curry bis zu Spaghetti Bolognese. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es dann eher so aus: Steak gibt es nur Montag bis Mittwoch, danach ist der Vorrat für die Woche erschöpft und das was dann als Fleisch angeboten wird würde man hier vermutlich noch nicht mal einem Geier zu Fraß vorwerfen. Die Suppen kommen aus dem asiatischen Restaurant und werden noch kurz mit „etwas“ Maggi bestückt, bis ihre Farbe tiefschwarz ist und sie nur noch nach Gewürzersatzstoffen schmecken. Allgemein scheint es auch so zu sein, das immer andere Köche anwesend sind. Denn wenn ein Gericht einmal ganz OK war und man dieses voller Vorfreude und Hunger dann ein paar Tage später noch mal bestellt, sieht es ganz anders aus und schmeckt vor allem auch anders. Einzig die Spaghetti, naja wohl eher Glasnudeln, mit Bolognese Sauce schmeckten zweimal gleich und das sogar noch ganz gut.

Wenn man dann an einem freien Tag mal durch die Straßen wandert wird an jeder Ecke etwas zu essen angeboten. Die Gerüche reichen von „Hmm, das könnte man mal probieren.“ bis zu „Oh mein Gott, die kochen mit Salzsäure“. Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl es verätzt mir alle Nasenhaare. Wer bekommt denn bei so was noch Hunger? Ich habe mich also beim Essen auf die Hotelküche beschränkt. Die war zwar nicht perfekt, aber wenigstens roch es immer gut, und hat keinen Brechreiz hervorgerufen.

Abgenommen hab ich trotzdem, oder gerade deshalb, 2-3 Kilo in den zwei Wochen.

Luft – Ich weiß nicht wieso hier in Deutschlang über Feinstaub und CO² diskutiert wird, während man dort drüben alles ungefiltert in die Luft bläst. Egal ob kleiner 2-Takter oder großer LKW-Diesel. Die Wolken die dort aus dem Auspuff gelassen werden verursachen schon beim angucken Atemnot. Bei den Fabriken ist es nicht besser. Sonnenschein gibt es nicht. Die Sonne versuchte öfters mal sich einen Weg durch die Dunst- und Dreckwolken zu bahnen, aber bis auf ein bisschen kümmerliches gelbes Licht kam nichts davon durch. Normalerweise hab ich sehr wenig Kopfschmerzen. Das ich dort fast täglich eine Tablette gegen ebensolche eingeworfen habe, sollte ein Beweis sein, für schlechte Luftqualität.

Dreck – Gibt’s es überall. Müllsäcke werden einfach auf die Straße geschmissen, Ratten, Katzen und Hunde essen sich an den Resten satt (könnte auch sein, dass hier nur ein Koch seinen Köder ausgeworfen hat) und egal wo man hinguckt, liegen Papier- und Plastikverpackungen in den Büschen und auf den Wegen.

Prostitution – Nur ganz kurz als Paradebeispiel. Ich wohnte in einem Hotel mit etwa 500 Zimmern. Also doch schon ziemlich groß. Tennisplatz, Sportraum, Frisör, kleine Shops und auch ein kleiner Massagesalon/Spa waren vorhanden. Also gönnte ich mir nach einem langen Tag eine Massage. Das können sie, muss man wirklich mal lobend hervorhebend. Als mich die Dame zum Abschluss fragte ob sie mich noch anderweitig beglücken dürfte und mir dabei eine Preisliste für eindeutige Angebote unter die Nase hielt, war die ganze Entspannung wieder weg. Diese „Spa“ hab ich nie wieder betreten und auch keine andere!

Kopieren – Nein, damit meine ich kein Papier. Es wird einfach alles kopiert. Egal wann und wo man sich umguckt, bei allem hat man das Gefühl es schon einmal gesehen zu haben. Autos, die bekannten Fahrzeugen zum verwechseln ähnlich sehen, aber doch anders sind. Wohnsiedlungen die aussehen wie Miniatur ausgaben des Empire State Buildings, englische Landhäuser oder toskanische Villen. Es kommt einem bekannt vor, und doch fühlt man sich nicht heimisch. Alles wirkt billig, ist es vermutlich auch, und vor allem dreckig. Gerade bei Gebäuden könnte man denken, dass diese zur Einmal-Nutzung erbaut werden. Sie werden gebaut, nicht gepflegt und wenn die Substanz hinüber ist, wird es entweder an die Ärmsten vermietet oder verrotten gelassen. Denn mittlerweile hat sich das Zentrum des Geschehens und des Wohlstandes wieder ein paar Kilometer in eine andere Richtung verschoben, wo gerade gebaut wird, was die Kräne hergeben. Somit schließt sich der Kreislauf wieder.

Alles in allem hat China bei mir einen ziemlich traurigen Eindruck hinterlassen. Die Menschen versuchen fröhlich zu sein wenn sie mich als Ausländer erblicken. Beobachtet man sie jedoch im Stillen, sieht man in vielen Gesichtern die Resignation und Unzufriedenheit.

Ich persönlich kann Menschen nicht verstehen, die China lieben und gerne dort hin reisen. Ich bin aber auch der Meinung, dass man sein Bild über ein Land nicht an den Touristen Orten festmachen darf. Hauptstädte sind immer anders als das Land an sich. München und Berlin sind auch nicht Deutschland. Das wahre Gesicht eines Landes zeigt sich da, wo die Menschen leben und arbeiten und nicht dort, wo sie für Touristen die heile Welt vorspielen um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Dies ist jetzt nicht nur auf China bezogen, sondern lässt sich auf jedes Land dieser Welt projizieren. Wenn ihr euch wirklich ein Bild von einem Land und dessen Menschen machen wollt, dann schnappt euch ein Auto und fahrt von eurem Touristenort mit Poolbar und Strandhotel zwei Stunden in eine beliebige Richtung. Dort bleibt ihr dann eine Woche, lebt und arbeitet mit den Einheimischen. Dass ist das Gesicht dass dieses Land wirklich hat!

Ich habe meine Meinung über das was ich von China gesehen habe jetzt in knapp 3000 Wörtern niedergeschrieben. Natürlich sind all diese Wörter aus meiner rein subjektiven Erfahrung entstanden. Vielleicht gibt es auch andere Ecken, die schöner sind, denn wie ein bekannter Mann mal sagt: „Gras is always greener on the other side!“





Komplett Set

10 03 2010

Macht einmal die Augen zu und stellt euch folgendes vor…OK…doofe Idee, denn mit geschlossenen Augen könnt ihr nicht mehr lesen. Also Augen auf und einfach mal dran denken.
-Ihr habt eine Wohnung und wohnt dort mit eurer Familie
-Eure Arbeit ist nur 5 Minuten zu Fuß entfernt
-Ein kleiner Supermarkt wo es alles für den täglichen Gebrauch gibt liegt knapp 200 Meter entfernt am Ende der Straß
-Gegenüber eurer Wohnung ist direkt der Kindergarten mir kostenloser Betreuung
-Der Kollege, mit dem ihr euch so super versteht, wohnt direkt in der Wohnung unter euch
-Das Basketball und Fußballfeld könnt ihr direkt vom Wohnzimmer aus sehen und nach Feierabend noch ein bisschen Sport treiben
-Und das alles gibt es zu einem unschlagbar günstigen Preis oder kostenlos

Klingt nach einem Traum. Ist es aber nicht. Hier ist es vollkommen normal. In dieser Firma arbeiten knapp 4000 Leute, die meisten davon wohnen auch hier. In Wohnungen die für kleines Geld vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden. Wie schon erwähnt gibt es eine Fülle von Sozialleistungen, wie eben die kostenlose Kinderbetreuung, Sportangebot oder halt den Supermarkt, der es überflüssig macht, lange Wege auf sich zu nehmen. Ja, das Leben hier könnte schön sein, wenn da nicht einige Dinge wären, die einen daran stören könnten.
-Über euch wohnt der Kollege mit dem ihr euch gar nicht versteht, und der leider einen höheren Rang hat als ihr. Also nutzt er jede freie Minute um den Fernseher so laut wie möglich zu drehen
-Aus dem Schlafzimmerfenster blickt ihr auch Sonntagmorgens auf die Fabrikhalle in der ihr arbeitet und werdet daran erinnert, das es bald wieder los geht
-Vom Basketballfeld schallt schon früh morgens das tippsen des Balls
-Ihr müsst, um Abends mit Freunden ein Bier trinken zu können immer 10km in die nächste Stadt fahren
-Weil ihr in der Wohnung der Firma wohnt, könnt ihr euch nicht beschweren, weil ihr sonst gefeuert werdet

Ich denke, das es zumindest für die ärmeren unter den Mitarbeitern hier ein willkommene Alternative zum Leben in der Stadt ist. Von den höheren Angestellten wohnt keiner hier. Diese kommen morgens entweder mit dem eigenen Auto/Roller oder werden von Sammelbussen gebracht. Für mich persönlich wäre dieses Leben nichts. Ich denke, dass es gerade in der Freizeit wichtig ist auch mal nicht an die Arbeit zu denken und abzuschalten. Wenn man jedoch ständig von ihr umgeben ist. Fällt das ziemlich schwer.





Selbstmord mit Stäbchen?

8 03 2010

Was ich in China noch vermeiden konnte, weil ich im Restaurant immer direkt Messer und Gabel bekam, muss ich hier gezwungener Maßen lernen.

Das Essen mit Stäbchen. Da asiatische Küche bei uns zu Hause eher wenig konsumiert wird, liegen meine letzten Versuche mit Stäbchen zu Essen schon so lange zurück, dass ich kaum noch dran erinnern kann. Nun geht es hier nicht anders und ich war schon am ersten Tag gezwungen es zu versuchen. Nunja…es sah vermutlich etwas erbärmlich aus und die um mich herum sitzenden versuchten gekonnt ein Lachen zu verstecken. Gut, mir wäre es vermutlich genauso gegangen, denn Schadenfreude ist ja immer noch die schönste Freude. Irgendwie hab ich es aber trotzdem geschafft meine Mahlzeit zu mir zu nehmen. Nur an den Tintenfisch hab ich mich nicht getraut, aber das hatte eher andere Gründe.

Nach dem Essen hatte ich einen ordentlichen Krampf in der Hand. So richtig kann das also nicht gewesen sein.

Jetzt bin ich schon seit 2 Wochen hier und bis auf das Frühstück nehme ich jeden Tag zwei Mahlzeiten mit Stäbchen zu mir. Es klappte immer besser und die Krämpfe nach dem Essen hörten schon innerhalb der ersten Woche auf. Mittlerweile macht es sogar Spaß. Auch wenn Suppe und andere glitschige Sachen noch 2-3 Anläufe brauchen, bis sie wirklich im Mund landen. Schlabbern und schlürfen lässt sich bei dieser Art zu Essen einfach nicht vermeiden. „Du musst ein Schwein sein…“ denk ich mir eigentlich jeden Tag, aber was soll’s.

Ich freu mich aber trotzdem drauf, mal wieder ein ordentliches Messer in der Hand zu halten und ein Steak zu zerschneiden und nicht solange drauf rumzubeißen, bis sich ein mundgerechtes Stück gelöst hat.








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 461 other followers